Projekt

█ █ almin // Alleinerziehende Migrantinnen & Migranten in Niedersachsen – Lebenslagen und Fähigkeiten im Spannungsfeld von Armut und Selbstbestimmung. Ein Forschungsprojekt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Stiftung Universität Hildesheim; gefördert vom Land Niedersachsen // Stiftung Pro Niedersachsen

Die Pluralisierung von Lebensformen und die familiären Dynamiken, die sich dabei entwickelt haben, spiegeln sich auch in einem Anstieg von Alleinerziehenden bei Migrationsfamilien wider. Jede sechste Migrationsfamilie in Deutschland ist inzwischen eine Ein-Eltern-Familie, und mehr als jede fünfte Ein-Eltern-Familie weist einen Migrationshintergrund auf.
Erste statistische Befunde und explorative wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema deuten zwar auf Gemeinsamkeiten der Ein-Eltern-Familien mit Migrationshintergrund – wie die Kumulation von Armutsrisiken sowie Erwerbs- und Berufsorientierung. Von einer ‚einheitlichen’ Lebensform kann dennoch nicht ausgegangen werden. Die Heterogenität resultiert z.B. aus den unterschiedlichen rechtlichen Lagen und ist auch verknüpft mit den individuellen Migrationsgeschichten, kulturellen und familiären Herkunftskontexten, persönlichen Netzwerken und professionellen Unterstützungsstrukturen im Lebensumfeld, Bildung und Beruf.
Wenngleich soziale und politische Akteur_innen alleinerziehende Mütter und Väter mit Migrationshintergrund sowie ihre minderjährigen Kinder durchaus in ihre Agenden einbeziehen, findet diese Bevölkerungsgruppe in Wissenschaft und Forschung bislang kaum Berücksichtigung.

Projekt/Studie
Das aus Mitteln des Landes Niedersachsen (Stiftung Pro Niedersachsen) geförderte Projekt „Alleinerziehende Migrantinnen und Migranten in Niedersachsen – Lebenslagen und Fähigkeiten im Spannungsfeld von Armut und Selbstbestimmung“ (ALMIN) stellt die erste wissenschaftliche Untersuchung bundesweit dar, die die Familienform Alleinerziehend bei Migrantinnen und Migranten in den Fokus stellt. Das Kooperationsprojekt der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Stiftung Universität Hildesheim hat eine Laufzeit von drei Jahren und endet im November 2015. Es zielt darauf ab, die Lebenssituationen und Lebenslagen von Ein-Eltern-Familien in Niedersachsen mit minderjährigen Kindern und unterschiedlichen Herkunftskontexten (insbesondere türkischer und polnischer Herkunft sowie aus der ehemaligen Sowjetunion) zu erfassen und zu analysieren.

Fragestellungen
Fragen, die im Rahmen des Projekts gestellt und beantwortet werden sollen, lauten:
Wie lässt sich die Lebenslage Alleinerziehender mit Migrationshintergrund charakterisieren? Wie wird die persönliche Situation und der Erziehungsalltag wahrgenommen, bewertet und bewältigt? Welche Lebensziele streben Allleinerziehende mit Migrationshintergrund für sich und ihre Kinder an? Welche Ursachen für die Lebensform alleinerziehend liegen vor? Was sagt die Verbreitung dieser Lebensform über die Dynamiken in Migrationsfamilien aus? Welche Dimensionen von Geschlechterverhältnissen spiegeln sich hier? Wie gestalten sich die Zugänge zu Ressourcen, u.a. sozialstaatlichen Leistungen?

Zielsetzungen
Mit dem Thema ‚Alleinerziehende mit Migrationshintergrund’ geht es nicht darum, eine ‚neue’ Gruppe Diskriminierter oder Viktimisierter zu konstruieren. Die Studie soll vielmehr zu einem tiefergehenden Verständnis der heterogenen Situation und Vielfalt der Dynamiken, Lebens- und Familienformen in Migrationsfamilien sowohl in der Öffentlichkeit und Praxis als auch in wissenschaftlichen Diskursen beitragen. Sie zielt weiterhin darauf ab, auch in der Alleinerziehendenforschung der Diversität der in dieser Familienform lebenden Personen gerecht zu werden. Damit kann die Grundlage dafür verbessert werden, sozialpolitische Interventionen so zu gestalten, dass sie Armut entgegensteuern und Handlungsspielräume erweitern.

Für April 2015 ist eine Fachkonferenz geplant, mit der die Ergebnisse der Studie in international vergleichende Forschungszusammenhänge eingeordnet werden sollen.